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Adrian Stern

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Einer der bekanntesten Schweizer Songschreiber mit dem aktuellen Album «1&1»

Impressionen

Kurzinfos

  • Über 50 ́000 verkaufte Alben, über 100 ́000 verkaufte Singles von
    «Amerika» und «Nr.1»
  • Swiss Music Award für das Album des Jahres
  • Ausverkaufte Schweizer Tournee

Bandbeschreibung

Die Bilanz nach Adrian Sterns letztem Album «Herz» ist überwältigend: Über 50´000 verkaufte Alben, über 100´000 verkaufte Singles von „Amerika” und „Nr.1”, der Swiss Music Award für das Album des Jahres und eine ausverkaufte Schweizer Tournee. Stellt sich die eine grosse Frage: Was tun, nach einem solchen Erfolg? Adrian Stern hat nicht lange überlegt, er hat 1&1 zusammengezählt und getan, was er immer tut.

Er schrieb ein erstes Lied, schrieb ein zweites, ein drittes, und schon reiht sich wieder ein Ohrwurm an den nächsten, von der ersten Single Das wünsch i dir bis zu Sunneschi, jenem leichtfüssigen Reggae der dieses Jahr die Sonne in den Schweizer Winter bringen wird. 1&1 heisst das Album also. Mathematisch gesehen ergibt das zwei, Adrian Stern rechnetmusikalisch und kommt auf vierzehn unterschiedlichste Resultate. So viele Songs umfasst die neue CD nämlich: Vierzehn hochkarätige, schweizerdeutsche Popsong Marke Stern,federleicht, eingängig, griffig produziert und trotzdem mit Nachhall, so wie sie hierzulande rar sind.

Herz ist noch immer Trumpf, aber Stern zeigt auf, dass nicht unbedingt jede Herzkarte sticht und manchmal die eher unscheinbaren Handkarten ein Spiel entscheiden können. Musikalisch knüpft er an die schlanke Produktion und sparsame Instrumentierung des Herzalbums an, oft reduziert er sie noch, aufs Intimste, sozusagen. Das wirkt dann, als hätte sich Stern zum Zuhörer in die Stube gesetzt und singe nun für ihn allein. Mal schalkhaft und augenzwinkernd, im nächsten Moment leise und verletzlich, immer aber entwaffnend ehrlich. 1&1 hält jene Momente fest, die wir manchmal zu gerne übersehen. Die Augenblicke, in denen sich vieles offenbart, wo s richtig Läbe i mis Läbe kracht, wie es im Eröffnungsstück 1985 hintersinnig und programmatisch heisst. Dort ist jener Moment gemeint, wo sich dem späteren Popsänger Stern einst dank Live Aid, Back to the future, Bravo und einem Mädchen mit Rüeblihose und Silberblick eine neue Welt auftat.

Als er erstmals merkte, dass seine Träume vielleicht doch etwas gross sind für das kleine Dorf, in dem er wohnte. Es sind solch kostbare Momente, die es festzuhalten gilt, in denen alles zusammen passt. Wie jedes Mal dann, wenn Stern backstage auf alte Musikerfreunde trifft. Er kennt sie schon ein halbes Leben lang, sieht sie viel zu selten, aber jedes Mal, wenn sie sich treffen, ist alles so, wie es immer war. Ein perfekter Moment, wie ihn Stern in der der Single Das wünsch i dir sich und uns allen wünscht. Im Titelstück ergibt 1&1 dann wirklich zwei, er und sie, und diese zwei sind wie du und ich. Ihre Liebe gleicht über die Jahre alle Schieflagen des richtigen Lebens aus, von der Jugendzeit bis heute, und steuert die beiden durch Irrungen und Wirrungen. Das ist die eine Variation der Liebesgleichung nach Stern, nur geht die halt nicht immer so schön auf.

Zu einem anderen Resultat kommt nämlich der nächste Song mit Hitpotential, Frei & Zäme. Hier werden Unabhängigkeit und Zweisamkeit gegeneinander aufgerechnet, und jeder Lösungsweg scheint hoffnungslos verstellt. Mer chönd nid, chönd nid ohni und chönd nid mitenand werden die Konzertbesucher an Sterns Konzerten bald lautmalen und laut mitsingen, weil auch dieses Lied unverschämt eingängig, süffig, und herzergreifend melancholisch ist. Und weil jeder im Publikum das Gefühl nur zu gut kennt, wenn alles zu passen scheint und doch nichts klappen will. Aber Stern ist Optimist und Stern wäre nicht Stern, würde er schnell aufgeben. Lieber setzt er sich hin und überlegt schon mal, wie genau er seinen Heiratsantrag nun vorbringen soll. Denn wer 1&1 zusammenzählt, landet ja durchaus auch mal vor dem Altar. Das einzig Knifflige dabei ist oft, wie man(n) den Antrag nun stellt, denn das erwartet man ja erstaunlicherweise immer noch von ihm, nicht von ihr.

Mit „Nr. 1“ hat Adrian Stern vor zwei Jahren den Hochzeitshit für den Kirchgang geschrieben, nun füllt er die letzte Lücke auch noch: Wer in Zukunft um Hände anhalten will, braucht nur diese CD einzuschieben, und Adrian Stern bittet für ihn charmant-lässig und gar im Reggae-Style um ein Ja. Wie dieses Lied daher kommt, ist typisch für dieses Album. Die Produzenten Roman Camenzind und Adrian Stern arbeiteten nur mit einer Handvoll Musiker. Simon Kistler und Thomas Fessler geben gewohnt entspannt den Rhythmus vor, Fred Hermann streut Percussionstupfer, alle anderen Instrumente spielen Camenzind und Stern selbst. Jeder scheint zu wissen, dass weniger mehr ist, jeder spürt, dass diese Songs bestehen können und kein Firlefanz benötigen. Manchmal erinnert dieses Understatement an eine Unplugged-Session, aber beim zweiten Hinhören wird klar, wie raffiniert alles ausgearbeitet ist, wie stimmig und mit welcher Liebe zum Detail, als Beispiel erwähnt sei jenes Gitarrenlick im Song Ja. Unauffällig klingt es aus dem Hintergrund, wie ein U-Boot-Echolot, das hier ausmisst, wie viel noch fehlt, bis sie endlich Ja sagt.

Vor zwei Jahren erträumte sich Stern in den schönsten Farben noch eine Zukunft in Amerika. Aber wie erwähnt ist auch hier das richtige Leben vollends in sein Leben gekracht. Ein erstes Kind ist da, gibt allem einen neuen Sinn gibt, und die Fluchten werden kleiner. In Sunneschi, dem eigentlichen Nachfolger von „Amerika“, träumt Stern fast bescheiden von einem kurzen Ausfall Richtung Süden. Er singt, was jeder Winterverschnupfte unter der Hochnebeldecke über dem Ricola-Land bald wieder täglich denkt: Chumm mer lönd is tribe, immer Richtig Süde / kei Ahnig wo mer landed, wo’s Meer und Wind und Sand het. Dort angekommen, wird Stern prompt übermütig. Er bittet zum Flamenco, obwohl ihm doch alles, was mit Tanzen zu tun hat, eh nur spanisch vorkommt. Aber sie, sie will dahin, und er, er geht halt mit und findet sich bald an der Bar, und sie hängt in den Armen eines andern. Der ist natürlich ein Tänzer von Gottes Gnaden, ein heissblütiger Torero dazu. Was dann passiert, erinnert ein wenig an Mani Matter, ist wortwitzig in jeder Zeile und süffiger als jeder Tequila.

Es gibt kaum jemanden in der Schweiz, der wie Stern mit leichter Hand gute Popsongs schreibt und es auch noch schafft, Mundart-Texte zu schreiben, die dazu passen. Zu ungelenk ist unsere Sprache oft, zu schwerfällig für Reime, zu sehr mit Dialekthindernissen verstellt. Nicht bei Stern. Mit welchen Ambitionen der Perfektionist auch hier ans Werk geht, und wohin sein Weg noch führen kann, zeigen die ernsteren Songs. 1&1 macht bei Adrian Stern ja neustens drei. Immer da und Schlaflos sind deshalb entstanden, eigentlich Songs für und über seine Tochter. Mehr wollen sie nicht sein, mehr sind sie dann noch: universelle Liebeslieder für jeden nämlich, ob mit oder ohne Kind. Doch das richtige Leben kann leider auch anders, 1&1 ergibt manchmal auch nur eins, das verheimlicht Stern nicht. Dann, wenn einer zurückbleibt. Wie bei Gang no nid, diesem berührenden Lied über einen schweren, unumgänglichen Abschied. Es erzählt, wie es ist, wenn einer von zweien noch nicht dafür bereit ist, dass der andere geht. Gehen muss. Oder Polaroid, der Schlusssong, der letzte Höhepunkt des Albums.

Eine letzte kurze Rechnung sei erlaubt: Bei 50 Prozent Scheidungen werden auch 50 Prozent aller Kinder Scheidungskinder. Adrian Stern ist eines davon. Eindrücklich, aber ohne Bitterkeit, interpretiert er jene Fotografie, die seine Eltern glücklich vereint zeigt – damals, als man noch Hornbrillen und lange Haare trug. Zu gerne wäre er dort dabei gewesen, als die beien noch zusammen und glücklich waren. Und ohne dass er sagt, wissen wir: Diese Geschichte soll sich nicht wiederholen. Er wird alles daran setzen, dass 1&1 beim ihm noch lange drei ergeben wird. Mindestens.

Bandinformationen

Programm-Gestalter, Programm Pop/Rock, Urban and more

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