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Lea Lu

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«Und täglich klopfen Melodien an»

Impressionen

Bandbeschreibung

Lea Lu bringt Farbe ins Spiel: «Colour», das zweite Album der 26-jährigen Zürcherin, zeigt die Prix-Walo-Gewinnerin in all ihren Facetten. Es sind 16 filigran hingetupfte Pop-Bijoux. Rapper Greis gibt ein Gastspiel, Roli Mosimann (Young Gods, Björk) betreute die Aufnahmen als Sound Engineer, und Christian Riesen (Danee Woo) war als Produzent tätig.

Ja, so hatte es sich Lea Lu ausgemalt: Ende 2009 veröffentlichte Sony Music ihr Debüt, «Dots and Lines». Es war ein Ausrufezeichen. «Wir empfehlen das Werk unbedingt zum Kauf!», schrieb die NZZ am Sonntag. Die Single «Hawaii» entwickelte sich zum Sommerhit. Die Zürcherin mit französischen, polnischen und spanischen Wurzeln wurde plötzlich von einer Bühne auf die nächste gebeten; sie spielte im Kaufleuten ebenso wie in der Karibik. Und sie erhielt den Prix Walo als beste Newcomerin. Nun, ein gutes Jahr später, legt Lea Lu mit ihrem zweiten Album nach. «Ich hätte gleich fünf neue Alben herausbringen können», sagt sie: «So viele Ideen hatte ich parat!»

Woher kommen die vielen Ideen? Lea Lu kann es sich selber nicht erklären: «Meine Songs sind alle irgendwie schon da. Jeden Tag meldet sich ein neuer.» Klopft eine Melodie an, muss es aber schnell gehen: «Eine neue Melodie kommt nur für 30 Sekunden vorbei.» Die an der Musikhochschule Luzern im Jazz ausgebildete Allroundmusikerin greift sich das nächstliegende Instrument und spielt drauf los. So sammelt sie tagtäglich Song-Ideen. Zusammen mit Produzent Christian Riesen hat sie für «Colour» die besten Ideen zusammengetragen.

Im September 2010 ging es mit den Songs ins Studio nach Polen. Produzenten-Legende Roli Mosimann hat sich da in einem abgelegen Waldstück installiert. Es ist eine High-Tech-Anlage im Niemandsland. Lea Lu lacht, wie sie von der «totalen Trostlosigkeit» der Gegend erzählt, von der «geradezu gespenstischen Energie», die sie verspürte, von der Einsamkeit, die ungeahnte Konzentration ermöglichte. 16 Stunden am Tag feilte Lea Lu an den Songs, Mosimann und Riesen unterstützten die nimmermüde Künstlerin nach Kräften.

Und in dieser eintönigen Umgebung hat «Colour» Farbe angenommen. Das Album ist breiter instrumentiert und dichter als «Dots and Lines». Es sind auf den Punkt gespielte Arrangements, die vielleicht an Laura Marling oder Nina Kinert erinnern. Lea Lu lässt sich weder auf reinen Pop reduzieren, noch geht sie als klassischer Singer-Songwriter durch. Sie ist weniger im Folk verhaftet als eine Feist, frönt nicht so sehr dem Jazz wie Nora Jones. Berührungsängste kennst sie gleichwohl keine: Nicht umsonst gibt etwa der Berner Rapper Greis ein Gastspiel auf dem Album. Inspirationen? Lea Lu winkt ab: «Ganz ehrlich, ich orientiere mich nicht an anderen Musikern.» Und wenn man sie einem Genre zuordnen wollte? «Wie wäre die Bezeichnung Englisches Chanson?», antwortet Lea Lu halb im Scherz.

Viel lieber beschreibt sie ihre Musik in Bildern. Im fröhlich swingenden «Mister» sieht sie «mehrere Sonnenuntergänge auf dem Silbertablett serviert»; den melancholischen «Sad Song» umschreibt sie als «einen dunklen Wald, dessen Baumkleid kein Licht durchdringen lässt». Im ansteckend albernen «Happy Song» sieht sie sich Orangensaft mit einem Löffel schlürfen, während das jazzige «Outro» einen Nachmittag lang Freunde in ihr Zimmer zur Jamsession einlädt.

Lea Lu sieht nicht nur Bilder in ihren Songs, sie verfügt auch über die besondere Eigenschaft, Töne als Farben wahrzunehmen. So ist etwa die Note F in ihrer Vorstellung grün, G ist gelb, d-moll hellgrün. Für das CD-Cover von «Colour» hat sich Lea Lu wild mit rotem Farbstaub bewerfen lassen: «Ich wollte damit aufzeigen, wie ich Farben wahrnehme, wenn ich Töne höre: Es ist wie eine Explosion, wie ein Feuerwerk.»

Ein farbenprächtiges Feuerwerk. Lea Lu hat mit «Colour» eine Rakete gezündet. Ihre Aussichten sind rosig. So hatten wir uns das ausgemalt.

Bandinformationen

Programm-Gestalter, Programm Pop/Rock, Urban and more

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